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#23 Der Osyluth im Abadar-Tempel (19. bis 25. Sarenith, 4711 AZ)

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Ein Reisebericht von Faquarl

1. Ein Teufel in heiligen Hallen
Erst lange nach Sonnenaufgang fühle ich mich in der Lage in die Stadt zurück zu kehren und mich den Ereignissen der Nacht zu stellen. Mareens Leute, welche die Unruhe am Morgen bemerkten, haben die Ratsmitglieder bereits von meinem Aufenthaltsort unterrichtet. Doch noch bevor ich die Stadt erreiche ereilt mich ein schreckliches Gerücht. Der Fürst sei entführt worden. Hat er es tatsächlich nicht mehr geschafft? Der Knochenteufel muss die Verfolgung wieder aufgenommen und ihn eingeholt haben. Aber hat er nicht gestern alles daran gesetzt Moraven zu töten? Ich sehe den Avadler seine Kreise über der Stadt ziehen und treffe Magni und Kesten, welche Soldaten anweisen Narlgaard nach dem Fürsten abzusuchen. Diese berichten mir, dass achtzehn Soldaten ihr Leben ließen, um Moraven zu verteidigen. Ein Großteil der Stadtwache wurde von einem einzigen Wesen ausgelöscht, ohne dass die Männer diesem irgendetwas hätten entgegensetzten können. Die Ereignisse in Narlgaard scheinen sich zu überschlagen, verzweifelte Angehörige fragen nach ihren Söhnen, Männern und Vätern.

Nach kurzer Zeit empfangen wir zumindest eine gute Nachricht. Finnvarra hat Moraven im Haus der Müllerfamilie gefunden. Offenbar schreckte er sie mitten in der Nacht in blutverschmierten Kleidern auf, bat um eine einfache Schlafgelegenheit und wies sie an keine Menschenseele von seinem Aufenthaltsort zu unterrichten. Dieser Aufforderung ist die Familie bisher nachgekommen. Eine kluge Vorsichtsmaßnahme, wenn man bedenkt, dass ein Teufel ihm auf den Fersen war. Dass sie unbeabsichtigter Weise auch dazu führen würde, dass sie ganz Narlgaard über Stunden in große Aufregung versetzen würde, ist nur der Tatsache geschuldet, dass der Fürst fast den halben Tag verschlafen hat.

Layra weckt den angeschlagenen Moraven. Seine Verletzungen sind schlimm, können aber von Ava geheilt werden und zudem ist Magni in der Lage die Wirkung des Giftes weitestgehend zu neutralisieren. Mehrfach bedankt sich der Fürst bei der Müllerfamilie, welche ihm für eine Nacht ein Obdach bot. Daraufhin bringen wir ihn, vor den Blicken einiger Schaulustiger geschützt, in den Gasthof ‚Zum Eber‘. Dort halten wir eine provisorische Sitzung des Hohen Rats ab, in welcher die Ereignisse der vergangenen Nacht rekonstruiert werden.

Eskel, welcher nach seiner Rückkehr in den Eber gestern Nacht deutlich zu viel Schnaps trank, um seine Nerven zu beruhigen, ist noch immer etwas verwirrt, weshalb seinen Ausführungen nicht leicht zu folgen ist. Nachdem wir es dennoch geschafft haben die beängstigenden Ereignisse zusammenzufassen, schließt Moraven mit einer Anekdote, welche für etwas Heiterkeit sorgt. „Und dann stehe ich, in zerrissenen Kleidern, stark blutend – ich muss ausgesehen haben – vor der Tür dieser herzensguten Familie und hämmere dagegen, bis sie vor meine Nase aufgerissen wird. Ohne zu zögern stolpere ich herein und bekomme – Paff! – mit der gusseisernen Bratpfanne eins übergezogen.“ Demonstrativ zeigt er uns die dicke Beule an seiner Stirn. „Das hat mir endgültig den Rest gegeben.“

Nach langer Beratung haben wir einen Entschluss gefasst. Da unsere Stadt zwei Nächte in Folge von dem Osyluth heimgesucht wurde und dieser offenkundig Moraven töten wollte, ist davon auszugehen, dass er wiederkommen wird. Deshalb wird die Ausgangssperre nicht aufgehoben und wir beschließen die kommende Nacht weder in der Hirschfeste noch im Eber zu verbringen. Wir werden uns der Kreatur stellen und haben dafür einen symbolträchtigen Ort auserwählt: den Tempel Abadars. Moraven hingegen verstecken wir an dem Ort, welchen ich für den sichersten halte. Im Zeltlager von Mareens Söldnern abseits der Stadt. Dort sollte er nicht aufgefunden werden und falls der Teufel ihm doch auf die Schliche kommt, dürfte er, inmitten von elf Lykanthropen, sicherer sein als an irgendeinem anderen Ort in Rivien.

Diesmal wollen wir dem Knochenteufel gut vorbereitet entgegentreten. Grunda verspricht, dass wir bei Vater Grigori einige nützliche magischen Gegenstände erwerben könnten. Somit werden Schriftrollen besorgt, welche Unsichtbarkeitszauber aufheben, die Wirkung des Giftes verzögern und aufheben können, sowie einige Öle, die unsere Waffen weihen. Diese sind dadurch besonders wirkungsvoll gegen unseren infernalischen Widersacher. Währenddessen durchstöbere ich einige alte Bücher, bis ich finde wonach ich gesucht habe. Ein Zauber welcher, gelingt es mir den Teufel zu treffen, verhindern wird, dass dieser sich durch eine Teleportation in Sicherheit bringen kann. Denn selbst wenn wir unserem Feind die Stirn bieten, er wird sich jederzeit aus dem Staub machen können. Dies gilt es zu unterbinden. Ich studiere die Seiten, präge mir Worte und Gesten ein, bis es mir gelingt die Magie zu entfesseln. Euphorisch stoße ich zu meinen Freunden, welche sich bereits im Tempel zusammengefunden haben. Diese Nacht werden wir ihn stellen und diesem Schrecken ein Ende bereiten.



Der Teufel soll uns hier aufspüren und er wird uns finden, davon ist auszugehen. Die Hallen sind hell erleuchtet, durch die Fenster wird er uns sehen. Wir hoffen, dass er uns umgehend finden wird und nicht mordend durch die Stadt zieht, um eine blutige Spur nach sich zu ziehen. Aber wird er uns auch angreifen? Wir harren im Tempel aus, dicht aneinandergedrängt warten wir darauf, dass sich etwas regt, um dann umgehend die nötigen Zauber zu wirken. Doch lange geschieht nichts. Angespannte Stille in welcher jedes noch so kleine Geräusch von draußen fast dazu führt, dass wir vorzeitig die Nerven verlieren. Draußen ist es bereits seit mehreren Stunden stockdunkel, als wir zum ersten Mal die Stimme des Teufels vernehmen. Ein dunkles, hämisches Lachen. Und dann sehen wir ihn, einige Meter entfernt schwebt er knapp unter der Decke, in den Klauen die scheinbar bewusstlose Svetlana. „Zusammengepfercht wie die Tiere, so stehen sie da. Und nun müssen sie mitansehen, wie ihre Freundin stirbt, wie tragisch. Es sei denn … ihr liefert mir euren Fürsten aus. Ich will ihn, nur ihn. Ergebt euch und überlasst mir Moraven. So kommt ihr und auch sie mit dem Leben davon.“ Wir sind starr vor Schreck, damit hat keiner von uns gerechnet. Was nun? Ich höre wie Magni eine Zauberformel murmelt, sehe Eskel eines seiner Elixiere trinken. Sie scheinen sich auf einen Kampf vorzubereiten. „Niemals!“, brülle ich dem Scheusal entgegen, strecke meinen Finger aus und ein Strahl taucht die Halle in grünes Licht. Er trifft den knochigen Teufel in die Brust. Ich will schon über diesen Erfolg in Jubel ausbrechen, doch mein Zauber scheint ihn nicht zu betreffen, sondern schießt einfach durch ihn hindurch und entlädt sich an der gegenüber liegenden Wand. Im nächsten Moment wird Svetlana in den Klauen des Osyluth zermalmt. Layra und Eskel keuchen entsetzt auf und auch ich bin für den Bruchteil einer Sekunde sprachlos, begreife ich. Ein Trugbild! Eine Illusion, nichts weiter. Dort ist kein Teufel und auch keine tote Svetlana. Das ist natürlich eine beruhigende Erkenntnis, doch haben wir einige unserer Zauber bereits gewirkt und Tränke eingenommen, deren Effekte nun wirkungslos bleiben. Ein kluger Zug des Teufels, der uns einerseits für den bevorstehenden Kampf schwächt und uns andererseits einen gewaltigen Schrecken eingejagt hat.

Für über eine Stunde wird es wieder still im Tempel. Dann hören wir erneut die Stimme des Teufels. „Ihr Narren. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft etwas gegen mich ausrichten zu können. Wie schon der Priester und eure lächerlichen Soldaten, so werdet auch ihr sterben wie die Fliegen.“ Während wir diese Worte vernehmen, erscheint ein rot glühendes Pentagramm am Boden des Tempels. Schnell wirke ich einen Zauber, welcher es mir ermöglich unsichtbare Kreaturen wahrzunehmen. Ich schaue mich in der Halle um, kann den Teufel nicht erblicken, sehe nach oben und stoße einen Angstschrei aus. Dort schwebt der Osyluth, wenige Meter über unseren Köpfen. Doch meine Freunde können ihn nicht sehen und werden zudem von vier Höllenhunden angesprungen, welche soeben im Innern des Pentagramms erschienen sind. Sie hüllen Magni, Eskel und Grunda in ihren brennenden Atem. Ava kann zwei von ihnen in den Strudel ihrer Wasserkugel ziehen und Layra jagt einem dritten ihren Adler an den Hals. Von allen anderen unbemerkt gleitet der Knochenteufel herab und zerfetzt meinen Arm mit seinen langen Klauen. Für einen kurzen Moment wird er für alle sichtbar, dann verschwindet er wieder. Wie ist das möglich? Grunda heilt sofort meine stark blutende Verletzung und ich schütze mich selbst durch einige mich umgebende Spiegelbilder.



Die Wasserkugel der Halblingsdame verschlingt noch einen dritten Hund, der letzte beißt nach einem meiner Abbilder und wird daraufhin von einer beschworenen Klinge der Mystikerin enthauptet. Unterdessen kann sich der Knochenteufel unbehelligt ein weiteres Opfer suchen, schwebt zur nichtsahnenden Ava, beißt, kratzt und sticht nach ihr, woraufhin sie bewusstlos zu Boden geht. Da unser Gegner daraufhin sofort wieder verschwindet, umgibt sich Magni mit einer Kraftsphäre, welche unsichtbare Kreaturen zum Vorschein bringt. Layra hetzt daraufhin einen Wolf auf die Kreatur. Als dieser versucht die Knochen des Teufels zu zerbeißen, splittern jedoch nur seine Zähne, die Bestie selbst scheint unverwundet. Eskel benetzt sein Schwert hastig mit einigen Tropfen des heiligen Öls und drischt auf den Osyluth ein. Diesmal splittern Knochen und auch Grunda stürzt auf den Gegner zu, welcher sich nun nicht mehr verstecken kann und rammt ihren Rapier in seine Brust. Der Knochenteufel fällt sie daraufhin an, sie weicht blitzschnell seinen Klauen aus, doch sein Stachel bohrt sich in ihr Bein. Sie und Eskel liefern sich einen heftigen Schlagabtausch mit dem Scheusal. Den Alchemisten überkommt plötzlich wieder Panik, eine Angst, wie er sie schon bei seiner ersten Begegnung mit dem Teufel verspürt hat. Magni erkennt glücklicherweise schnell was vor sich geht und kann den magischen Effekt bannen, bevor Eskel Hals über Kopf aus dem Tempel flieht.

Von den drei Höllenhunden, welche in den von Ava beschworenen Wassermassen herumgewirbelt werden, kann sich einer befreien und landet klitschnass neben mir.  Ich springe beiseite woraufhin das Biest Grunda von hinten anspringt und beißt. Grunda geht keuchend in die Knie. Layra und ihre Adler sind sofort zur Stelle. Die Raubvögel erledigen den Hund und die Halb-Elfe heilt. Der Osyluth wirkt angeschlagen, es sieht so aus als könnten wir den Kampf für uns entscheiden. Somit bereite ich meinen Zauber vor, welcher ihn daran hindert sich außerhalb unserer Reichweite zu teleportieren. Mit einem gezielten Strahl treffe ich den Knochenteufel. Er kann der Magie nicht wiederstehen und ein Netz aus grünlichen Fäden spannt sich um ihn. Er erschrickt und versucht den Hieben zu entkommen, indem er bis knapp unter die Decke des Tempels fliegt. Tatsächlich ist dieser nun für Grunda und Magni nicht mehr zu erreichen und die Adler können ihm nichts anhaben. Eskel jedoch schluckt ein Elixier, welches ihn zu beachtlicher Größe anwachsen lässt. Sofort nimmt er den Kampf wieder auf.



Magni kann den schwebenden Gegner nicht erreichen, eilt zur noch immer komatös am Boden liegenden Ava und flößt ihr einen Heiltrank ein. Gerade noch rechtzeitig, denn einer der Hunde wird im selben Moment aus der Wasserkugel gespült und springt in ihre Richtung. Magnis Axt macht mit ihm kurzen Prozess. Der letzte Höllenhund treibt leblos in der Wasserkugel umher. Um Eskel vor den Angriffen des Teufels zu schützen, hülle ich unseren Widersacher in eine Wolke aus Glitzerstaub. Diese nimmt ihm tatsächlich für einen Augenblick die Sicht, doch er stürzt sich trotzdem blindlings mit einem verzweifelten Schrei auf den Alchemisten. Klauen wirbeln durch die Luft und hinterlassen tiefe Wunden. Eskel stolpert rückwärts und geht vor weiteren Angriffen in Deckung. Doch er ist der einzige, welcher den schwebenden Osyluth erreichen kann. Magnis und meine Zauber prallen wirkungslos ab und schwer angeschlagen schaut dieser sich nach einem Fluchtweg um. Keuchend an den Altar gestützt streckt Ava ihren Arm nach der Wasserkugel aus. Mit einer wegwerfenden Geste schleudert sie die Wassermassen in die Luft. Der Knochenteufel wird von dem Strudel eingesogen und von diesem zu Boden gerissen, als Ava den Energiestrom unterbricht. Der Zauber endet und am Boden liegt der Osyluth. Noch bevor dieser sich aufrichten kann springt Magni herbei und lässt den dessen Schädel mit einem gewaltigen Hieb seines Hammers bersten. Knochensplitter fliegen umher. Im nächsten Moment sind alle Überreste unseres Widersachers verschwunden.

Stille, nur unser keuchender Atem. Wir haben es geschafft, wir haben die infernalische Kreatur besiegt und können es noch nicht ganz glauben. Ava, Grunda und Eskel sinken erschöpft zusammen. Noch während wir inmitten des verwüsteten Tempels stehen hören wir schwere Schritte. Vater Grigori erscheint im verwüstetem Tempel. „Ihr habt ihn besiegen und eine Flucht verhindern können?“ Wir nicken zustimmend, zu schwach um zu antworten. Seine ausdruckslose Maske verbirgt jede emotionale Regung, doch seine Worte zeugen von Anerkennung und Dank. Er heilt unsere Wunden und wir bedanken uns für seine Unterstützung. Dann tritt er an seine Glaubensgenossin heran. „Grunda Holler, Sie haben als Mitglied unseres Ordens am heutigen Tag Großartiges geleistet. Als Zeichen der Wertschätzung fühle ich mich geehrt Ihnen dies aushändigen zu dürfen.“ Aus seiner Tasche zieht der Hohepriester ein rotes Samttuch. Vorsichtig wickelt Grunda es auf, bis sie einen großen goldenen Schlüssel in den Händen hält. Das Symbol ihrer Gottheit, der Schlüssel Abadars.

Wir schicken einen Boten zum Zeltlager der Söldner. Moraven soll umgehend von den erfreulichen Neuigkeiten unterrichtet werden. Diese Nacht verbringen wir aber noch einmal gemeinsam im Gasthof von Anton Kuhlwein. Der Fürst jedoch findet keinen Schlaf. Er schreibt eine Rede an die Bürgerinnen und Bürger Nargaards. Als er am nächsten Morgen den Sieg über den teuflischen Mörder verkündet macht sich Erleichterung breit. Die Anspannung der vergangen zwei Tage weicht spürbar, was bleibt ist die Trauer um die gefallenen Soldaten. Diese werden noch am selben Tag beigesetzt. Margera Fiss, eine Priesterin der Pharasma, leitet die Bestattung. Zum Abschluss der Zeremonie bedankt sich Moraven für den heldenhaften Einsatz der Männer, welche ihr Leben ließen um ihn zu beschützen. Wir kündigen an zu Ehren der Retter des Fürsten einen Schrein der Kriegsgottheit Gorum zu errichten. Im Anschluss an die Beisetzung fragen wir Margera Fiss, ob sie als Gustavs Nachfolgerin das Amt der Hohepriesterin von Narlgaard übernehmen und so seinen Platz im Hohen Rat einnehmen will. Zu unserer aller Überraschung lehnt sie jedoch entschieden ab. Da wir uns nicht dazu durchringen können Vater Grigori das Amt anzubieten, muss der Posten vorerst unbesetzt bleiben.

Es vergehen einige Tage, in welchen wir uns von den sich überschlagenden Ereignissen erholen. Als uns die Nachricht erreicht, dass Svetlana sich im Handelsposten aufhält und sie und ihr Mann wohlauf sind, können wir auch wieder beruhigt schlafen. Aufgrund der schrecklichen Illusion des Teufels haben wir uns große Sorgen um unserer Kämmerin gemacht. Doch viel Zeit bleibt nicht, es stehen weitere Aufgaben an. Zwar konnten wir der Fertigstellung der Brücke über den Gudrin zuvorkommen, doch die Trolle streifen weiterhin irgendwo durch die Kamelande. Zudem breitet sich der Nebel immer weiter aus. In einer Sitzung des Hohen Rates beschließen wir uns zunächst den mysteriösen Vorgängen in der Narlmark zu widmen. Wer weiß, vielleicht besteht ein Zusammenhang zwischen diesen und dem Auftauchen des Teufels. Am Ende der Versammlung bittet Grunda Holler darum, uns bei der Expedition begleiten zu dürfen. Wir sind erstaunt über den Tatendrang der Paladina. Da sie sich als erstaunlich fähige Schwertkämpferin präsentiert hat, begrüßen wir ihren Vorschlang. Wir bitten wieder einmal Mareen und ihre Truppe in der Nähe der Stadt zu bleiben. Auch erwerben wir von Vater Grigori eine Schriftrolle, welche es einigen von uns ermöglicht sich umgehend von einem beliebigen Ort Golarions in den Abadar-Tempel nach Narlgaard zu teleportieren.

Vor unserer Abreise setzt unsere Diplomatin Layra ein Schreiben an Lea Ianucci auf, die Anführerin der Schwertherren in Restov. Die Rostlande sind nun seit einem Jahr wieder in den Händen der Aldori und wir gratulieren ihnen für die Fortschritte, wünschen Erfolg und betonen unsere Hoffnung auf gute Zusammenarbeit. Ein formales Schreiben, tatsächlich können wir keine großen Veränderungen feststellen. Restov war im vergangenen Jahr sehr mit sich selbst beschäftigt. Doch der Machtwechsel wird von einer Vielzahl der Bewohner der Raublande bejubelt und wir sind aufrichtig an guten Beziehungen zu unseren Nachbarn interessiert.

2. Viele Fragen, keine Antworten
Am frühen Morgen des 25. Sarenith brechen wir auf in Richtung des nebelverhangenen Waldes. Es ist ein heißer und schwüler Hochsommertag, doch die Reise ist ausgesprochen angenehm. In den vergangenen Tagen habe ich mich dem Studium einiger mir vorher unbekannter Zauber gewidmet und einen großen, von vier geisterhaften Pferden gezogenen Streitwagen beschworen. Moraven und Layra begleiten uns für einen Tag bis zur Hütte der alten Hexe am Waldrand. Dieser wollen wir einen Besuch abstatten. Eventuell erfahren wir von ihr, was es mit dem magischen Dunst auf sich hat. Zudem ist sie uns allen nicht ganz geheuer, was wenn sie etwas mit den tödlichen Angriffen auf Narlgaard zu tun hat?

Wir erreichen die windschiefe Hütte am späten Nachmittag. Wie schon bei unserem ersten Besuch werden wir von der Vogelscheuche in Empfang genommen, bevor die alte, abstoßend wirkende Frau uns das knarrende Holztor zu ihrem Heim öffnet. Ava sträubt sich die Hütte zu betreten. Angeblich aufgrund der unangenehmen Gerüche. Zweifelsfrei ist die Hütte nicht sonderlich einladend, doch die Abneigung der Halblingsdame ist wohl eher der Tatsache geschuldet, dass sie seit ihrem letzten Besuch auf dem linken Auge blind ist. Sie ignorierte die eindringlichen Warnungen der schrulligen Frau und wurde von einem gleißendem Licht dauerhaft geblendet. Magni leistet ihr beim Warten Gesellschaft während Moraven, Eskel, Layra, Grunda und ich eintreten und versuchen an ihrem kleinen Tisch Platz zu finden.



Nachdem wir einige Freundlichkeiten ausgetauscht haben, woran die Hexe jedoch kein Interesse zu haben scheint, frage ich sie nach ihrem Namen. „Ihr braucht euch nicht zu entschuldigen, meinen Namen habt Ihr nicht vergessen. Vergessen habt ihr lediglich, dass ihr mich bereits danach gefragt habt. Ich habe meinen Namen schon lange vergessen. Im Alter vergisst man Kleinigkeiten, Nebensächliches.“ Ich bin irritiert von dieser absonderlichen Antwort, Moraven jedoch lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Ohne Umschweife fragt er nach dem Knochenteufel, welcher unser Heim aufsuchte und mordend für Schrecken sorgte. „Ich kann euch nicht sagen wer diese Kreatur auf euch gehetzt hat.“, der spöttische Tonfall ihrer Antwort missfällt mir, „Ich kann euch jedoch sagen, dass dieses Land lebendig ist und nicht vergisst, dass sich etwas regt. In jedem Wipfel, auf jedem Gipfel, im Gras, im Tau. Das Land regt sich.“ Doch Moraven lässt sich mit einer solch wagen Antwort nicht abspeisen. „Welche Frage, die meiner am nächsten kommt, könnt Ihr beantworten?“ „Es ist nicht eure Schuld?“ „Nicht unsere Schuld?“, hakt Layra irritiert nach. „Nicht eure Schuld. Das Land verschlingt seit jeher jene, welche die Absicht hegen es sich anzueignen. Heute seid ihr es, gestern waren es die Zentauren und vor weit mehr als eintausend Jahren die Zyklopen. Die Raublande sträubten sich schon immer gegen alles und jeden, welcher sie zu zähmen beabsichtigte.“ Wie schon bei unserem ersten Besuch kommen wir auch diesmal auf den Hirschkönig und seinen Vater Raifs zu sprechen. Doch die alte Frau hält nicht viel von der Theorie, er könne einen Teufel beschworen haben. Wie schon damals spricht sie abfällig von dem alten Druiden. Wir greifen ihre Aussage von letzten Besuch auf, nach welcher der Hirschkönig im Wald dem Wahnsinn verfallen sei. Daraufhin zog er mit seinen Gefolgsleuten plündernd und marodierend durch die Raublange, bis wir diesem Schrecken ein Ende setzten. Tatsächlich bestätigt sie unsere Vermutung. Raifs Sohn ereilte dieses Schicksal im Gewölbe unter der verlassenen Burg. Dort fanden wir eine Statue mit der Aufschrift ‚König des Waldes‘, wir wurden in den Mahlstrom gezogen und Lucretia verschwand an eben jenem Ort auf bisher ungeklärte Weise.

Somit kommen wir auf den Nebel zu sprechen, welcher auch bald ihre Hütte verschlingen wird. „Ob ich gehen werde? Selbstverständlich nicht. Angst, vor dem Nebel? Weshalb? Ich werde keinen Fuß bewegen wegen des Nebels. Soll er kommen, soll er mich, meine Hütte, meine Dienerin verschlingen. Was sollte mich daran stören?“ „Aber es heißt keiner sei je aus dem Nebel zurückgekehrt“, entgegne ich verstört von der Gleichgültigkeit der alten Frau. „Wir haben vor die Ursache für diesen Spuk ausfindig zu machen, ihn zu beenden. Was wisst ihr über den Nebel, seine Entstehung, wie er bekämpft werden kann? Helft ihr uns, helfen wir so im Gegenzug euch. Auch euer Leben hängt davon ab.“ Die hässliche alte Frau wirkt belustigt von meinem Versuch sie zu überzeugen. „Vielen Dank für eure Fürsorge, doch ich vermag euch nicht zu helfen. Aber merkt euch: Ein Pfeil ins Herz tötet eine jede Kreatur. So auch den Nebel.“ Ich bin enttäuscht von dem nichtssagenden Gebrabbel der Alten, doch Moraven ist noch nicht fertig und bleibt freundlich. „Darf ich fragen, wie vertraut Ihr mit dem Wald seid?“ „Ich kenne ihn gut genug, um mich nicht zu verlaufen. Nicht gut genug, um alle seine Geheimnisse gelüftet zu haben.“ Vielleicht weiß sie tatsächlich nicht mehr als wir und umgibt sich durch ihre vagen Antworten lediglich mit einer Aura des Geheimnisvollen. „Und was ist der schönste Ort im Wald, welchen Ihr je aufgesucht habt?“ Moraven scheint Freunde an der Unterhaltung zu finden und ihre Erwiderung nach einem kurzen Moment des Schweigens lässt auch mich aufhorchen. „Am Waldrand im Westen liegt seit langer Zeit der unversehrte Leichnam eines Einhorns. Ein friedlicher Ort. Auch ihr solltet ihn eines Tages aufsuchen.“ „Das werde ich, gewiss. Und noch etwas verspreche ich Euch: Ich werde dafür sorgen, dass dieser Ort erhalten bleibt. Solange ich lebe. Ihr habt mein Wort.“ Von diesem absurden Versprechen ist selbst die schrullige Frau überrascht. Dann werden wir aus dem Haus gebeten. Doch bevor wir unsere Reise fortsetzen, tritt Magni an die Hexe heran und übergibt ihr eine kleine Statue. Während wir uns unterhielten hat der Zwerg eine Figur ihrer Vogelscheuche angefertigt. Kein Meisterwerk, aber für die kurze Zeit doch sehr beachtlich. Höflich bedankt sich die alte Frau und stellt das Geschenk in ein Regal zu all dem anderen Gerümpel, welches sich in ihrer Hütte stapelt. Dann verabschieden wir uns endgültig. Es ist bereits spät, es beginnt zu dämmern und wir haben noch ein ganzes Stück vor uns.

Dreiundzwanzigste Sitzung am Sonntag, den 15. Oktober in Frankfurt.
Mit Tobi, Miles, Lena, Dominik, Lucas, Toni, Ilka und mir.

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