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#21 Der innere und äußere Friede (14. Desnus bis 9. Sarenith, 4711 AZ)

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Ein Reisebericht von Faquarl

1. Nebel in der Narlmark
Uns bleibt kaum Zeit zur Trauer. Schon wenige Tage nach der Beerdigung Karoshs in der Narlmark erreicht ein junger Mann, unter anderen Umständen hätte man ihn auch noch für ein Kind halten können, unsere Siedlung und bittet aufgeregt sofort die Damen und Herren von Riva sprechen zu dürfen. Er ist schweißüberströmt und völlig verdreckt, da er in der Hast offenkundig einige Male von seinem Pferd gefallen ist. Als er in die Hirschfeste geführt wird, um von seinem Anliegen zu berichten, erzählt er eine wirre Geschichte. Es fällt uns schwer seinen Gedankensprüngen zu folgen, doch eins ist offenkundig: Rezbinnen wurde angegriffen. Wir versuchen ihn zu beruhigen, was anfangs nicht leichtfällt, um ihn daraufhin zu Bitten die Ereignisse der Reihe nach ausführlich zu schildern. So bekommen wir heraus, dass der junge Michel von Loy Rezbin geschickt wurde, um uns um schnelle Hilfe zu bitten. Der Nebel, welcher sich vor einigen Monaten in der Narlmark auszubreiten begann, reicht nun bis an die Grenzen des Weilers. Vor zwei Tagen erschienen aus dem in Dunst liegendem Wald Heerscharen von Kreaturen, welche die völlig unvorbereiteten Dorfbewohner angriffen. Diese konnten den Angriff zwar abwehren, aber sieben Personen, darunter auch der Bruder Michels, haben den Kampf nicht überlebt. Als wir Michel bitten die Angreifer zu beschreiben, erhalten wir widersprüchliche Aussagen. Angeblich hätten sie einen Menschen deutlich überragt, wobei auch einige kleine unter ihnen gewesen wären. Und diejenigen, welche sie erschlagen haben, seien kurz darauf auch wieder geschrumpft. „So wie du. Ja, in etwa so groß wie … Sie. Verzeiht.“, stammelt Michel und zeigt dabei auf die Halblingsdame. Er beschreibt die Kreaturen als Wesen, welche annähernd humanoide Züge hätten, wobei einige ihrer Gliedmaßen an die von Pflanzen erinnern würden. Aus ihren Augen würde nur Leere starren, als seien sie geistlos oder wahnsinnig. Auch ihre Haut sei fahl wie die eines Untoten. Wir sind uns sicher, dass wir solchen Kreaturen bisher noch nicht begegnet sind. Michel bittet um sofortige Hilfe. In ständiger Sorge werden weitere Angriffe erwartet und Loy sieht seine Männer außer Stande ihnen dauerhaft die Stirn bieten zu können. Wir sichern dem Boten sofortige Hilfe zu und Ava bietet an in Gestalt eines Adlers vorzufliegen. Sie kann Loy über unsere baldige Ankunft informieren, sich ein Bild der Lage machen und erste Verteidigungsmaßnahmen zur Sicherung der kleinen Siedlung unternehmen. Unterdessen senden wir zwei Boten zum Elchtempel. Diese sollen Djod zum einen vor dem Nebel und den Gefahren, welche von ihm ausgehen, warnen und zum anderen Joakim und Akiros bitten vorübergehend bei der Verteidigung Rezbinnens zu helfen. Unterdessen bricht Magni gemeinsam mit mir, Mareen, Kesten, Gustav, Bartholomäus Pfote und Michel auf. Binnen zwei Tagen sollten wir den Weiler erreicht haben.

Ava hingegen trifft schon am selbigen Abend ein. Loy ist sichtlich erleichtert über die guten Neuigkeiten, hatte er sich doch Sorgen gemacht, dass der Botenjunge Michel unterwegs angegriffen oder sich im Wald verlaufen würde. Glücklicherweise wurden die Dorfbewohner bisher nicht erneut überfallen. Jedoch herrscht aufgrund der nun einsetzenden Dämmerung eine angespannte Stimmung. Der Nebel reicht tatsächlich bis kurz vor die ersten Häuser der Ansiedlung. Man blickt in eine fast dickflüssig erscheinende graue Masse, welche jegliche Sicht behindert. Betritt man diese, sieht man bereits nach wenigen Metern die eigenen Füße nicht mehr. Zudem scheint der Nebel sich nicht aufzulösen, selbst Windböen verwirbeln die Dunstschwaden lediglich ein wenig. Und er breitet sich aus. Langsam aber stetig, so berichten alle Anwesenden, kriecht er schon seit einigen Monaten voran und verschluckt immer größere Teile des Waldes. Ava konnte sich auf ihrem Flug ein Bild von den Ausmaßen der Nebelwolke machen. Im Westen hat sie den Vava erreicht und im Süden ist er bereits an die Grenze des Waldes bis zur Mündung des Murks vorgedrungen. Die Wolke verschlingt alles, kein Baumwipfel ragt aus ihr heraus.



Daraufhin sucht Ava das provisorisch errichtete Lazarett auf und kümmert sich um die Verletzungen, welche viele der Dorfbewohner erlitten haben. Mit Zaubern und ihrem Heilerstab, kann sie schnell und effektiv die schlimmsten Wunden verschließen und wird von allen Anwesenden für ihre Fähigkeiten bewundert. Zudem schafft sie es die bedrückende Atmosphäre durch einige Späße etwas aufzulockern. Am nächsten Morgen macht sich die Halblingsdame bereits vor Tagesanbruch an die Arbeit. Um einem zweiten Angriff besser abwehren zu können, will sie Holzstämme im Boden versenken und diese als Barrikaden verwenden. Zu diesem Zweck stellt sie sich einen Trupp Männer zusammen und koordiniert die Arbeiten. Diese sind ebenfalls froh einer Arbeit nachgehen zu können und nicht als Wachposten Löcher in den Nebel starren zu müssen.

Unterdessen treffen wir auf der Reise – war es anders zu erwarten? – den Feendrachen Perliwash. Doch diesmal habe ich darauf gehofft ihm zu begegnen, denn wer, wenn nicht er, kann uns sagen, mit welchen Kreaturen wir es zu tun haben? Tatsächlich scheint die Beschreibung des Botenjungen auf Kreaturen namens Spriggan zuzutreffen. Die Spriggan, welche aus dem Nebel kommen, seien jedoch anders, dies betont der aufgeweckte Drache. „Die, die sind blass. Und denen ist alles egal.“ Das scheint sich mit der Beschreibung Michels zu decken. Fast beiläufig berichtet uns Perliwash noch von einem grünen Drachen, welchem er weiter südlich begegnet sei. Das macht uns hellhörig, denn noch niemand von uns ist jemals einem Drachen begegnet. Ein Drache in der Narlmark? Hoffentlich schließt sich dieser nicht auch noch Raifs und seiner Allianz der Wilden an. Doch momentan haben wir andere Sorgen und so setzen wir unseren Weg eilig fort.

Als wir am Abend eintreffen, sind bereits einige Verteidigungsvorrichtungen erbaut worden. Zunächst inspizieren wir die deutlich zu erkennenden Kampfspuren und lassen uns dann eine der getöteten Kreaturen zeigen. Der Spriggan ist wirklich nur etwa so groß wie Ava und nun erkennen wir auch, was Perliwash meinte, als er sagte sie sähen aus wie Xin. Denn tatsächlich ähneln sie Gnomen. Sie sind jedoch auf merkwürdige Weise mit einer Pflanze verbunden, welche dem Anschein nach auch für die veränderten Verhaltensweisen verantwortlich ist. Auch Loy betont mehrfach, dass die Spriggan während des Überfalls deutlich größer waren, was den Schluss nahelegt, dass sie in der Lage sind sich zeitweise zu vergrößern. Magni unterhält sich noch etwas länger mit Loy, unter anderem über seine verschwundene Frau Locretia Rezbin. Doch neue Erkenntnisse kann der Zwerg nicht zu Tage fördern. Auch auf ihn scheint Loy einen ehrlichen Eindruck zu machen. Er hängt wohl sehr an Locretia und hat dem Anschein nach nichts von ihren geheimen Plänen geahnt.

Nachdem ich den Nebel und seine Ausbreitung über die Nacht hin studiert und mehrere Wachen diesbezüglich mit Fragen überhäuft habe, suche auch ich Loy auf, welchem die Leitung des Weilers obliegt. In einem ernsten Gespräch teile ich ihm mit, dass Rezbinnen, meinen Berechnungen zufolge, binnen einer Woche von dem magisch beschworenen Nebel verschluckt werden wird. Es wird unmöglich sein in den Häuser zu bleiben, sollten sie von der Wolke umgeben werden. Keiner weiß, wann diese sich auflösen wird, gefährliche Kreaturen können überall lauern und niemand wird sich inmitten des grauen Nichts orientieren können, was zu Panik führen wird. Deshalb schlage ich vor Rezbinnen baldmöglichst zu evakuieren. Die Dorfgemeinschaft könne nach Narlgaard reisen und dort in Sicherheit leben, bis sich der Nebel verzogen hat und Rezbinnen wieder bewohnbar ist. Loy ist aufgrund meiner niederschmetternden Prognose zunächst betrübt, doch ich merke auch, dass auch er bereits ähnliche Gedanken hatte. Angesichts meines Angebotes ist er sehr erfreut und nach etwas Bedenkzeit teilt er mir mit dieses annehmen zu wollen. Noch am selben Tag beruft er eine Versammlung ein, teilt den Dorfbewohnern meine Einschätzung mit und gemeinsam diskutieren sie, wie sie nun vorgehen werden. Letztlich entscheiden sie sich Rezbinnen in den nächsten Tagen in Richtung Narlgaard zu verlassen.

Am Morgen des nächsten Tages mache ich mich mit Mareen auf den Weg nach Narlgaard, um rechtzeitig zur Volksversammlung wieder zurück zu sein. Ava fliegt unterdessen in Tiergestalt zum Elchtempel, um Akiros und Joakim mitzuteilen, dass sie, entgegen der Benachrichtigung, welche sie voraussichtlich heute erreichen wird, nicht nach Rezbinnen kommen brauchen. Magni bleibt vor Ort um gemeinsam mit Kesten, Gustav und Pfote die Dorfbewohner auf ihrer Reise zu begleiten und sie im Falle eines Angriffes zu schützen.

Inmitten der Vorbereitungen auf die bevorstehende Reise ertönt plötzlich das Warnsignal einer der Wachen. Sofort verstecken sich einige der Dorfbewohner, während andere zu Mistgabeln und anderen zu Waffen umfunktionierten Werkzeugen greifen. Pfote eilt umher, versteckt Kinder in den Hütten und verschanzt sich dann ebenfalls dort, um die hilflosen Dorfbewohner zu verteidigen, sollten die Angreifer bis hierher durchdringen. Als Magni, Kesten und Gustav den Dorfwachen zur Hilfe eilen, sehen sie einige kleine Kreaturen, welche aus dem Nebel auftauchen. Doch schon im nächsten Moment erscheinen immer mehr der dunklen Umrisse aus der milchigen Wolke. Die kleinen Wesen wirken auf den ersten Blick ungefährlich, doch noch bevor sie die Barrikaden erreicht haben, vergrößern sie sich und blicken aus leeren Augen den verängstigten Verteidigern entgegen. Einer der Männer fasst Mut und stürmt den von Pflanzen befallenen Spriggan entgegen, worauf sich weitere ihm anschließen. Jedoch verlassen sie so den Schutz der von Ava errichteten Barrikaden. Die Rufe Magnis und Kestens können sie nicht aufhalten und so müssen diese mitansehen, wie die drei Männer innerhalb kürzester Zeit zu Boden gehen. Ihre improvisierten Waffen können gegen die deutlich größeren Spriggan nur wenig ausrichten. Kesten nimmt die Angreifer ins Visier und beschießt sie mit Pfeilen, während Gustav sich, sein heiliges Symbol in den Händen, schützend vor Magni stellt. Einige Kreaturen weichen zwar vor dem Kleriker zurück, aber das hält sie nicht davon ab über die Barrikaden zu klettern und Magni einzukesseln.



Einige der Spriggans stürzen sich mit Äxten, andere mir bloßen Klauen auf die Verteidiger, doch sie durchdingen nicht die dicken Rüstungen von Magni und Kesten. Die Angreifer hingegen sind kaum gerüstet, wodurch sie ein leichtes Ziel darstellen. Von einem Moment auf den nächsten schreit Magni erschrocken auf und weicht panisch zurück. Gustav, welcher mittlerweile aus der zweiten Reihe heraus Zauber gewirkt hat, stellt sich dem verängstigten Zwerg in den Weg, legt seine Hand auf dessen Arm, woraufhin Magni wieder zu Sinnen kommt und sich erneut seinen Gegnern zuwendet. Gustav jedoch, der den Furchteffekt von Magni genommen und damit auf sich genommen hat, flieht in panischer Angst aus dem Kampfgetümmel. Einige der Spriggans fallen unter den Hieben Magnis und Kestens, aber auch zwei weitere Dorfbewohner erwischt es. Plötzlich flieht auch Kesten mit angsterfüllten Schreien, woraufhin lediglich Magni mit einer Vielzahl von Angreifern zurückbleibt. Gustav, welcher sich soeben von dem magischen Effekt befreit hat, eilt zum fliehenden Kesten, nimmt erneut den magischen Effekt auf sich und schickt somit auch Kesten zurück in den Kampf. Dieser gibt den wenigen verbleibenden Wachen die Anweisung sich zurückzuziehen. Sie können nur wenig gegen die Spriggan ausrichten und sind ihren Angriffen hilflos ausgeliefert. Kesten und Magni erschlagen einen Angreifer nach dem anderen, bis die letzten sich in den Nebel zurückziehen.

Man kümmert sich sofort um die Verletzten. Für zwei der tapferen Männer, welche Hals über Kopf in den Kampf stürzten, kommt jedoch jegliche Hilfe zu spät. Nach zwei Tagen, alle Verwundeten wurden in der Zwischenzeit von Gustav soweit versorgt, dass sie fähig sind die Reise anzutreten, macht sich die verbleibende Dorfgemeinschaft, welche etwa vierzig Personen umfasst, auf den Weg in Richtung Narlgaard. Unterdessen laufen dort die Vorbereitung für die von mir einberufene Volksversammlung auf Hochtouren.

2. Eine Rede an das Volk
Nachdem mein Auftreten in der Goldmine vor einigen Wochen sich auch in Narlgaard herumgesprochen hat und die Stimmen unzufriedener Bürgerinnen und Bürger daraufhin zugenommen haben, berief ich den Rat Riviens ein um ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag zu unterbreiten. Dort fand ich insbesondere von Moraven, Layra und Ava Unterstützung für mein Vorhaben eine Volksversammlung einzuberufen. Zweck dieser Versammlung solle sein, die Gründe für den Unmut in der Bevölkerung zu artikulieren, falsche Gerüchte aus dem Weg zu räumen und die Bürgerinnen und Bürger Riviens in die Gestaltung unseres Fürstentums miteinzubeziehen. Damit möglichst viele Personen der Versammlung beiwohnen, wurden Aushänge im gesamten Reich verteilt.


Am Vortag treffen bereits viele Bauern und Arbeiter aus den umliegenden Gebieten ein, doch erst als sich der Platz am Morgen des 21. Desnus füllt, können wir abschätzen wie viele dem Aufruf gefolgt sind. Etwa 300 Männer und Frauen haben sich auf dem Platz eingefunden. Auf ein so großes Interesse hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Glücklicherweise wurden genug Tische und Bänke aufgestellt, sodass ein Jeder Platz finden kann. Viele der Angereisten sind gespannt darauf, was sie hier erwarten wird, denn die meisten können sich nur wenig unter einer „Volksversammlung“ vorstellen. Nachdem alle die Möglichkeit hatten zu speisen, die fleißigen Helfer mussten kurzfristig zusätzliche Kessel anwerfen, betritt Fürst Moraven Tolo von Riva das Rednerpult. In einer wenig förmlichen Ansprache begrüßt er heiter die Anwesenden und gibt einen kurzen Ausblick auf die nun anstehende Veranstaltung, bevor er mir das Wort überlässt. Schon bei der Erwähnung meines Namens geht ein Raunen durch die Zuschauer. Ganz offensichtlich ist die Geschichte von meinem missglückten Auftritt in der Mine mittlerweile jedem zu Ohr gekommen.

Ich bin etwas nervös, denn ich ahne, dass die die Einstellung der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Rivas und dem Rat nicht unwesentlich davon abhängt, ob ich in den kommenden Minuten unser Anliegen authentisch vermitteln und so die Wogen etwas glätten kann. In den vergangenen Wochen habe viel Zeit darauf verwendet die Rede für diesen Augenblick zu schreiben und mir ins Gedächtnis einzuprägen. Auch habe ich einige neue Zauber erlernt, welche mich bei der nun vor mir liegenden Aufgabe unterstützen sollen. Ich betrete das Pult, lege mir einige Dinge zurecht, welche ich für das Wirken der Zauber brauche, verstärke auf magische Weise meine Stimme, sodass auch in den hinteren Reihen noch problemlos gehört werden kann und beginne meine Rede.

Faquarl schrieb:Liebe Bürgerinnen und Bürger Riviens,
wir haben uns heute hier versammelt um gemeinsam die Zukunft Riviens zu gestalten. Ich bin hocherfreut über das Erscheinen eines jeden Einzelnen von euch. Gleich werdet ihr die Möglichkeit haben eure Anliegen, Wünsche und Verbesserungsvorschläge vorzubringen. Zuvor will ich noch einige Worte an euch richten und einen Blick zurückwerfen.

Vor weniger als zwei Jahren machte sich eine kleine Gruppe auf den Weg in die rauen und unzivilisierten Raublande. Ava und ich hatten die große Ehre Teil dieser zu sein und auch Eskel stieß nach kurzer Zeit dazu. Wir reisten durch die Wildnis, kartographierten unbekannte Landstriche und mussten uns unzähligen Gefahren zur Wehr setzen. Die Geschichte des Siegs über den legendären Eber Schlitzzahn ist nur der bekannteste von vielen Kämpfen, welche gefochten wurden. (Als ich den Namen des Eber ausspreche, erschaffe ich mit einer schnellen Handbewegung ein Abbild, welches der tatsächlichen Größe der magischen Bestie entspricht und wild schnaubend über die erstaunte Menge hinwegfegt.) Als es uns schließlich gelang die Banditen unter dem Kommando des Hirschkönigs ein für alle Mal zu besiegen, war der Grundstein für die Besiedlung dieses Landstriches gelegt. (Auch von dem Banditenanführer erzeuge ich ein naturgetreues Bildnis und lasse ihn einen Pfeil über die Köpfe hinweg schießen, bevor er sich wieder in Luft auflöst.) An dem Ort, von welchem sie ihre Raubzüge koordinierten, steht nun das Wahrzeichen unserer Stadt, die Hirschfeste.

Seit der Gründung dieser beschaulichen Siedlung ist nun über ein Jahr vergangen. Ein Jahr in welchem, inmitten eines rauen Landstriches, aus dem Nichts ein sicheres zu Hause für uns alle entstanden ist. Möglich gemacht wurde dies durch harte, zielstrebige und unermüdliche Arbeit. Durch die Arbeit all jener, welche hier Tag für Tag einen Stein auf den nächsten gesetzt haben. Aber haben all jene dies aus eigener Kraft erreicht? Was ist mit denen, welche Tag für Tag in den Steinbrüchen und in der Narlmark die Materialien für all dies bereitstellen? Was ist mit denen, welche die Felder bewirtschaften, die Fische fangen, welche jeden Abend unseren Hunger stillen? Was ist mit denen, welche in den Minen nach Gold und Silber schürfen, damit wir mit unseren Nachbarn in Brevoy Handel treiben können. Der Handel, durch welchen unser aller Wohlstand erst möglich gemacht wird. Dies ist nicht die Arbeit einiger weniger. Dies ist die gemeinschaftliche Arbeit aller. Dies ist eure Arbeit, euer Verdienst. Seht euch an, was ihr durch harte, zielstrebige, unermüdliche Arbeit geleistet habt. Aus einem Nest habt ihr eine stattliche Siedlung werden lassen. Unser aller Reich reicht nun bis zum Handelsposten der Lewetons, eine sichere Straße verbindet unsere Ortschaft mit der südlichen Rostlandstraße und wenn man dieser gen Norden folgt, durchquert man keine unzivilisierte Einöde, sondern einen florierenden Landstrich mit Höfen, Fischereien und vielen geschäftigen Betrieben. All dies ist euer Werk.

Doch damit etwas Derartiges ermöglicht wird, braucht es einige Grundvoraussetzungen. Es braucht kluge Köpfe, welche all dies planen und koordinieren, es braucht Diplomaten, welche den Kontakt zu unseren geschätzten Nachbarn in Brevoy pflegen und so den Frieden sichern. Und es braucht erfahrene und mutige Krieger, welche sich den Gefahren, welche in den Weiten des Grüngürtels und in den Tiefen der Narlmark lauern, in den Weg stellen und so die Sicherheit von uns allen gewährleisten. All diesen Aufgaben nimmt sich der Rat Riviens an. Und wenn es nötig ist, dann riskieren ein Jeder von uns für dieses Ziel sein Leben. Wir alle erinnern uns an den schmerzlichen Verlust von Turalyn Baldor von Riva, den todgeborenen ersten Herrscher Riviens. (Ich mache eine ausschweifende Geste, woraufhin unser ehemaliger Fürst in der Luft schwebend erscheint, das Schwert gen Himmel gereckt.) Aber auch der tapfere Karosh hat sein Leben für die Bürgerinnen und Bürger Riviens geopfert. (Mit meiner anderen Hand zeige ich auf den Halb-Ork, mit beiden Händen seine Axt umfassend.) Sie verteidigten uns gegen Kreaturen, welche voller Schlechtigkeit auf das, was wir hier geschaffen haben herabsehen, gegen Neider, welche Niedertracht in unseren Reihen säen, um unsere größte Stärke, die Stärke einer geeinten Gemeinschaft zu zerschlagen.

Wie euch sicherlich zu Ohren gekommen ist, wenn ihr es nicht selbst miterlebt habt, ist etwas Derartiges vor wenigen Wochen inmitten unserer Reihen geschehen. In unserer Goldmine sprach am 27. Gozran ein hinterlistiger Zauberkundiger. Er sprach von der Missachtung eurer täglichen harten Arbeit durch habgierige Herrschende. Doch frage ich euch: Ist dieser Mann einer von uns? (Ich deute auf den Denunzianten, welcher über der Menge steht und spöttisch über sie hinwegblickt.) Arbeitete er an eurer Seite, Tag für Tag? Hat ihn jemals irgendwer vor seiner verführerischen ‚Rede in der Mine‘ zu Gesicht bekommen? Nein. Denn er ist keiner der unsrigen, kein Bürger Riviens. Und deshalb geht es diesem Herrn auch nicht um euch, nicht um eure Sorgen, nicht um eure Pläne, nicht um eure Wünsche. Nein, im Gegenteil: Dieser Mann, so lautet meine Anklage, hatte nur zum Ziel unsere prächtige Gemeinschaft zu zerrütten, einen Pfahl zwischen uns zu treiben und Unzufriedenheit zu säen. Unzufriedenheit und Zwietracht, welche letztendlich uns allen, unserer Gemeinschaft, schaden.

Doch will ich mich nicht in Lobeshymnen und Anklagen verlieren, ohne eigene Verfehlungen anzusprechen. Verfehlungen meinerseits. Denn ich habe eingesehen, dass mein Handeln, welches unüberlegt und nicht in Übereinstimmung mit dem Rat Riviens geschah, weshalb ich allein die Verantwortung dafür trage, ich habe eingesehen, dass dies falsch war. Ich löste Schrecken und Verunsicherung aus, was nicht meiner Absicht entsprach. Denn selbstverständlich ist es einem jeden Bürger und einer jeden Bürgerin Riviens jederzeit gestattet Kritik zu üben, Vorschläge zu unterbreiten und Wünsche zu äußern. Denn unser Ziel ist es stets das Wohl aller im Blick zu haben. Und das geht nur, wenn ihr auf uns zukommt, mit uns sprecht und eure Anliegen vortragt. Deshalb bitte ich euch alle um Entschuldigung, für den Schrecken und die Verunsicherung, welche ich durch mein unkluges, vorschnelles Handeln verursacht habe.

Der Mann, welcher in der Goldmine zu euch sprach wird nicht von mir oder einem anderen Mitglied des Rates gerichtet werden. In wenigen Tagen wird Vater Gregory, ein mächtiger und weiser Hohepriester des Abadar hier eintreffen. Er wird sich des Falles annehmen und Gerechtigkeit sprechen.

Nun aber sind wir nicht zusammengekommen, um in der Vergangenheit zu verweilen. Wir sind zusammen gekommen um die Zukunft Riviens gemeinsam in die Hand zu nehmen. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, wie unfassbar Stolz ich auf das bin, was wir in so kurzer Zeit gemeinsam erreicht haben. Rivien ist nicht das Werk eines einzelnen oder einer Handvoll Personen, es ist das Werk von uns allen. Und damit es auch das Werk für uns alle ist, braucht es eure Unterstützung. Und damit meine ich nicht eure unerlässliche und großartige Arbeit, damit meine ich, dass ihr hier und heute Vorschläge unterbreitet. Vorschläge, wie euer Leben besser werden kann. Kevil, der Berater unseres Fürsten Moraven, hat die Aufgabe übernommen eure Interessen entgegenzunehmen und wird euch nun das weitere Prozedere erklären. Ich hoffe auf rege Beteiligung. Denn gemeinsam können wir mehr erreichen – für ein geeintes Rivien.

Als ich auf die Vorfälle in der Goldmine zu sprechen komme reagieren einige der Zuhörer ungehalten und verärgerte Zwischenrufe sind zu vernehmen. Die Entschuldigung wird jedoch von den meisten mit Wohlwollen aufgenommen, die Betonung der Leistungen der Bürgerinnen und Bürger wird von zustimmendem Gemurmel begleitet und am Ende erhalte ich für meine Worte sogar Applaus. Die beschworenen Bilder haben offensichtlich ihren Zweck nicht verfehlt. Jedes einzelne sorgte für erstauntes und teils ehrfürchtiges Geraune. Im Anschluss an meine Rede übernimmt Kevil die Organisation der Wortbeiträge. Er hat in den letzten Tagen viele Anliegen entgegengenommen, versucht herauszulesen was die dringlichsten Probleme sind und wüste Beschimpfungen von konstruktiver Kritik getrennt. Jedoch handelte es sich bei dem Großteil der Schreiben, welche ihn erreichten weder um Verunglimpfungen, noch um Vorschläge zur Gestaltung Riviens. Häufig wurden persönliche Problem vorgetragen oder utopische Wünsche geäußert. Doch wer will dies irgendjemandem verübeln? Wann wurden die Bürgerinnen und Bürger zuletzt von den Herrschenden nach ihrer Meinung gefragt, ganz zu schweigen von dem Vorschlag durch die Bündelung von Interessen die Politik des Reiches zu beeinflussen. Für uns alle ist dies Neuland. Die Spielregeln müssen erst noch ausgelotet werden und genau zu diesem Zweck ist die heutige Volksversammlung einberufen worden.

Kevil hatte uns bereits im Vorfeld über die eingegangenen Vorschläge informiert. Aus den Reihen der Minenarbeiter erhielten wir wie erwartet viele unzufriedene Zusendungen, teils sogar mit deutlich aggressiven Formulierungen. Einige gemäßigtere Teile der Belegschaft äußerten Unmut darüber, dass sich in der direkten Umgebung ihrer Arbeitsstätte keine Siedlung befindet. Der Handelsposten und Narlgaard sind mehr als einen Tagesritt entfernt. Dadurch sei es ihnen nicht vergönnt an arbeitsfreien Tagen ihre Familien aufzusuchen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ähnliche Wünsche wurden auch von den Holzfällern geäußert. Diese Bemängelung können wir nachvollziehen und bereits im Vorfeld haben wir uns auf ein Angebot geeinigt, welches wir den Arbeitern vorschlagen wollen. Aus Narlgaard erreichten uns gehäuft Kritik an dem Bau der Hirschfeste. Ein solcher Prestigebau nütze nicht dem einfachen Volk und diene lediglich den Rivas. Mehr Läden und ein Marktplatz wurden des Öfteren gewünscht.

Nun betritt mit Kurt Eidinger der erste Redner die Bühne. Er organisiert seit geraumer Zeit die Holzbeschaffung und erst kürzlich errichteten wir ein Sägewerk in der Narlmark nahe des Handelspostens. Er formuliert die konkrete Forderung nach einer Siedlung für die Arbeiter. Nachvollziehbar legt er die Wünsche der Arbeiter dar, dessen Interessen er vertritt. Zudem betont er, dass es hilfreich wäre, wenn das Holz auf dem Dorn nach Narlgaard transportiert werden könne.

Als nächstes meldet sich ein Mann namens Nils. Er scheint einer der Vorarbeiter aus der Goldmine zu sein, doch glücklicherweise zeigt er Verständnis und Nachsicht mit den unglücklichen Ereignissen, welche sich dort vor wenigen Wochen zugetragen haben. Auch er ist der Meinung, dass der Kerl, welcher dort zu den Arbeitern sprach, ein Scharlatan war, der den Anwesenden Flausen ins Ohr gesetzt habe. Für diese Aussage muss er sich zwar einige Pfiffe gefallen lassen, doch die Unmutsbekundungen über den Redner halten sich in Grenzen. Am Ende seiner Rede betont Nils, dass er auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Rat hofft.

Im Anschluss ergreift ein älterer Mann das Wort. Seine ehemals dunklen Haare und der Bart wirken etwas ungepflegt. Er stellt sich als Brutus vor und erzählt etwas ausschweifend, dass er aus Issien im Norden Brevoys stamme. In Winterklippe, der Heimat der Familie Lodowka sei er aufgewachsen und viel zur See gefahren. Nachdem er sich vorgestellt hat, äußert er den Wunsch als Stimme des Volkes die Interessen der Bürgerinnen und Bürger Narlgaards zu vertreten. Der erfahrene Mann macht auf uns einen besonnenen Eindruck und auch die Zuhörer scheinen nicht abgeneigt zu sein, ihm diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übertragen.

Noch einige weitere, weniger aufsehenerregende Beiträge folgen, bis zuletzt ein stämmiger Zwerg die das Rednerpult betritt. Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen, scheint er mit dem Verlauf der Veranstaltung unzufrieden zu sein und wir ahnen, dass dieser Zeitgenosse sich nicht mit versöhnlichen Tönen aufhalten wird. Mürrisch stellt er sich als Torgar vor und beginnt ohne Umschweife die Zustände in den Minen aufs schärfste zu beanstanden. Sie seien unerträglich und das ganze Gerede eine Farce. Leere Versprechungen, nichts weiter. Am Ende würde alles beim Alten bleiben. Doch konkrete Forderungen stellt er nicht, lediglich verlangt er nach mehr Freiheiten. Torgar nimmt für sich in Anspruch für die gesamten Arbeiter der Eichenwipfel-Silbermine zu sprechen, jedoch genießt der unsympathische Zwerg offensichtlich keinen großen Rückhalt, denn als er mit seiner wütenden Rede schließt, erntet er nur verhaltenen Beifall.



Nachdem einige Personen zu Wort kamen, um ihre Kritik, Wünsche und Verbesserungsvorschläge zu äußern und Kevil uns mitteilt, dass alle relevanten Themen, welche im Vorfeld zur Sprache kamen angesprochen wurden, beratschlagt sich der Rat Riviens für kurze Zeit. Dann ergreife ich zum Abschluss noch einmal das Wort. Ich bedanke mich für die in weiten Teilen gelungene Zusammenarbeit und spreche unseren deutlichsten Kritiker, den Zwerg Torgar direkt an. „Ihre Unzufriedenheit mag nachvollziehbare Gründe haben, jedoch bitte ich Sie unsere Anstrengungen nicht im Vorfeld als ein falsches Spiel zu verunglimpfen. Sie schimpfen über leere Worte, doch lasst mich euch einladen dieser Veranstaltung im kommenden Jahr beizuwohnen. Messt uns an dem, was wir heute versprochen und bis dahin erreicht haben.“ Denn wir haben vor die unzufriedenen Stimmen, welche am heutigen Tag jedoch keineswegs dominierten, ernst zu nehmen und auf konstruktive Kritik entsprechend zu reagieren. Deshalb versprechen wir eine Siedlung nahe der Goldmine am Rande der Narlmark baldmöglichst errichten zu wollen. Diese solle den Holzfällern, den Arbeitern aus Steinbrüchen und der Goldmine, sowie Bauern und Fischern ein sicheres zu Hause bieten. Damit würden wir der Forderung, welche am eindringlichsten genannt wurde, nachkommen. Des Weiteren hebe ich die Bedeutung der Hirschfeste für Narlgaard hervor. Diese ist nicht in erster Linie ein Prunkbau für den Fürsten, sondern eine sichere Feste im Falle eines Angriffs auf unsere Stadt. In Kamelanden und Narlmark lauern Gefahren, Neider werden auf unser Reich aufmerksam und noch sind wir nicht im Stande genug Männer zur Verteidigung der Siedlung aufzubringen. Die Hirschfeste ist ein Rückzugsort, sollte es zu einem Überfall kommen. Ihre Mauern dienen dem Schutz aller Bürgerinnen und Bürger Narlgaards und sie ist auch mit wenigen Soldaten zu halten. Ich kündige ebenso an, dass wir in Zukunft erfahrene Kämpfer zur Verteidigung Riviens anwerben wollen. Weitere geplante Projekte, wie den Bau einer Straße zur Varnburg werden angekündigt, sowie die daraus resultierenden Vorteile für die Sicherheit und den Wohlstand unseres Reiches betont. Zuletzt kündige ich an, eine solche Veranstaltung wie die heutige von nun an jährlich am Sonntag eine Woche vor dem Goblinflohmarkt stattfinden zu lassen. Dies verknüpfe ich mit der Bitte die Ergebnisse dieser Zusammenkunft in ganz Rivien zu verbreiten und auch im kommenden Jahr mindestens ebenso zahlreich zu erscheinen. Daraufhin erkläre ich die erste Volksversammlung Riviens für beendet.

Die Veranstaltung verlief ausgesprochen gut. Meine Rede wurde wohlwollend aufgenommen, die meisten der Bewohner scheinen nicht unzufrieden oder dem Hohen Rat gegenüber gar feindselig eingestellt zu sein und einige der Redner konnten bereits als Interessensvertreter hilfreiche Vorschläge unterbreiten. Ich danke Kevil ausdrücklich, welcher seine Aufgabe äußerst kompetent ausgefüllt hat. Ihm gelang es das bislang unbekannte Verfahren in geordnete Bahnen zu lenken und verständlich zu vermitteln, wodurch der Bürgerdialog erst gelingen konnte. Meinen Dank nimmt er wortkarg entgegen. Sonderlich großes Vergnügen scheint ihm seine Rolle dabei offensichtlich nicht bereitet zu haben.

3. Der Wächterpilot
Direkt im Anschluss an die Versammlung werden bereits erneut Vorbereitungen für den von Ava ins Leben gerufenen Goblinflohmarkt getroffen. In diesen Tagen erreicht auch die über vierzig Personen umfassende Karawane aus Rezbinnen die Hauptstadt. Glücklicherweise wurden sie nicht Opfer eines weiteren Überfalls. Die erschöpften Dorfbewohner werden in der Hirschfeste einquartiert und Magni berichtet uns von den Ereignissen nach unserer Abreise. Auch hat er eine kleine Überraschung für unseren Alchemisten im Gepäck. Gemeinsam mit Pfote hat der Zwerg Locretias Labor sicher verstaut und nach Narlgaard transportiert. Vorsichtig begutachtet Eskel die alchemistischen Geräte und dankt Magni und Pfote überschwänglich für diesen Gefallen. Nachdem Loy Rezbin mit seinen Leuten Narlgaard unbeschadet erreicht haben, bitten wir Mareen mit ihren Söldnern ein weiteres Mal um ihre Dienste. Große Gebiete im Osten und Süden Narlgaards stellen für uns noch immer unbekanntes Land dar. Sie sollen die Hügel bis an die Ausläufer des Gebirges und entlang des Gudrin erkunden und kartographieren, wie sie es in der Vergangenheit schon des Öfteren zuverlässig getan haben. Gegen ein entsprechend hohes Entgelt begibt sich die Truppe in diesen, noch weitestgehend unbekannten Teil der Kamelande.

Doch auch wenn die Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger Rezbinnens gebannt werden konnte, der Nebel stellt noch immer ein ungelöstes Rätsel und eine Bedrohung für Rivien dar. Nachdem ich auch in den Büchern der Bibliothek auf keine neuen Erkenntnisse gestoßen bin, berufen wir ein Treffen der Zauberkundigen ein. Gemeinsam beraten wir uns, stellen akribisch zusammen, was wir über den magisch beschworenen Dunst, seine Ausbreitung und seinen Ursprung zu wissen glauben. Doch wir kommen zu keinen neuen Erkenntnissen, welche die Entstehung erklären oder seine Bekämpfung möglich machen würden. Gustav äußert die Vermutung, dass es sich um die Magie von Feenwesen handeln könnte, doch dafür gibt es weder hinreichende Belege, noch beantwortet es unsere drängenden Fragen. Im Anschluss an das erfolglose Treffen bitte ich Moraven um ein Gespräch unter vier Augen. Noch einmal berichte ich detailliert von unseren Erlebnissen und Beobachtungen im Hügelgrab. Die Spuren einer zyklopischen Hochkultur interessieren ihn sehr und ich hoffe darauf, dass er das Geschehene aufgrund seines Wissens über diese Wesen und deren Geschichte besser deuten kann. Leider kann auch er sich nicht erklären, weshalb im Zentrum des Gewölbes eine riesige Statue das Grab eines mächtigen untoten Zyklopen bewachte. Ich schlage vor Noleski, den König Brevoys, über unsere Beobachtungen zu unterrichten. Bei der Gelegenheit könnten wir ihn auch bezüglich des Nebels befragen. Eventuell hat er unter der Hobgoblinfestung sogar Erkenntnisse gewonnen, welche uns helfen seine Entstehung zu erklären. Denn wir haben vor uns in den nächsten Tagen auf den Weg zu dieser zu machen, doch mir behagt es nicht eine Reise durch die dichte, alles verschlingende Wolke anzutreten und hoffe deshalb, so viele Informationen wie möglich im Vorhinein zu erlangen. Doch Moraven gibt zu bedenken, dass der König in der Regel auf ein Signal erst mit einigen Tagen Verspätung reagiere. Manchmal dauere es sogar Wochen. Ihn kurzfristig anzutreffen sei somit eher unwahrscheinlich. Außerdem rät der Fürst mir davon ab Noleski von der Befreiung des Monsters zu unterrichten. Nachdem wir womöglich große Mächte in der Narlgaard entfesselt haben, könnte er ungehalten reagieren, wenn wir berichten einen jahrhundertealten, untoten Zyklopen befreit und auf die Welt losgelassen zu haben. Damit hat er wohl Recht. Der König ist unberechenbar, seine Reaktionen nicht vorauszusehen und zudem ist er nicht dafür bekannt aufschlussreiche Informationen auf Bitten herauszugeben. Lieber nicht zu viel riskieren.

Somit versuche ich, in Begleitung einiger Wächter, den Nebel auf eigene Faust zu untersuchen. Wie schon Magni zuvor, stelle auch ich starke Beschwörungsmagie fest. Als ich versuche diese zu bannen, verschwindet lediglich die magische Aura in einem kleinen Bereich, der Nebel bleibt jedoch bestehen. Ansonsten decken sich meine Beobachtungen mit denen Avas. Tatsächlich könnte sich im Zentrum der riesigen, weißen Wolke die Hobgoblinfestung befinden. „Wer hineingeht, kommt nicht mehr heraus.“, mit diesen Worten steigert Perliwash meine Zuversicht, dem Nebel etwas entgegensetzen zu können, ungemein. Doch was bleibt uns anderes übrig, als die Ursache aufzuspüren? Und diese liegt wohl im Inneren der Nebelwolke. Weniger aus Überzeugung, sondern mehr aus Verzweiflung markiere ich die Bäume am Rand der Wolke. So kann ich in einiger Zeit die Geschwindigkeit der Ausbreitung recht genau bestimmen. Jedoch muss ich ohne weitreichende neue Erkenntnisse zurückkehren.

In Narlgaard ist der Goblinflohmarkt bereits in vollem Gange. Wie schon im vorherigen Jahr bieten exotische Handwerker allerhand absonderliche Gegenstände an, darunter aber auch jede Menge nutzlosen Trödel und Kitsch. Etwas verwunderlich ist, dass wir, die Rivas, im Volk scheinbar sehr prominent sind. Es finden sich einige Figuren, welche uns darstellen. Insbesondere Moraven freut sich, dass derartiges in Umlauf gebracht wird, hat er doch die Möglichkeit mit seinem einzigartigen Zauber durch die Augen dieser Skulpturen zu blicken. Wüssten die Käufer davor, würden sicherlich einen Bogen um die Statuetten machen. Auch unter den Kindern, welche heute verkleidet durch die Straßen laufen, erfreuen sind Kostüme, welche Mitglieder der Herrscherfamilie darstellen, großer Beliebtheit. Insbesondere Verkleidungen von der Halblingsdame sind des Öfteren zu sehen. Aber wen wundert es, dass junge Mädchen sich als kleine, verrückte Frauen verkleiden? Als ich gemeinsam mit Eskel durch die Gassen laufe und wir uns das chaotische Treiben ansehen, fällt uns irgendwann auf, dass eines dieser Kinder in Verkleidung Avas uns kichernd verfolgt. Erst als wir Ava am selbigen Abend beim Essen erblicken, bemerken wir, dass es sich tatsächlich um die echte Halblingsdame handelte. Sie hatte sich den ganzen Tag als Kind in Verkleidung ihrer selbst ausgegeben.

Wir lassen einige Tage verstreichen, denn keiner von uns ist erpicht darauf tatsächlich eine Expedition in die nebelverhangene Narlmark zu unternehmen. Vermutlich hegt ein Jeder die verzweifelte Hoffnung, dass sich der Nebel wie durch ein Wunder eines Tages doch noch auflösen wird. Da wir aber über keinerlei Anhaltspunkte verfügen, vergeuden wir letztlich nur Zeit, in welcher wir weder die Gefahr durch die Wilden bekämpfen, noch das Geheimnis um den mysteriösen Nebel lösen. Inmitten dieser Phase der Untätigkeit sind wir über jeden Anlass erfreut, die Erkundung des Nebels hinauszuzögern. Einen solchen liefert uns die Ankunft des von Grunda Holler angekündigten Hohepriesters. Am 3. Sarenith berichten Boten von einer sechs Wagen umfassenden Kolonne, welche sich auf der Straße nach Narlgaard befindet. Für große Aufregung sorgt weniger die pompöse Kutsche des Hohepriesters, sondern der Bericht von einem schweren, einige Meter hohem Objekt, welches von acht Pferden gezogen wird. Als die Prozession viele Stunden später eintrifft, hat sich halb Narlgaard auf den Straßen eingefunden. Grunda empfängt den hohen Besuch und bahnt diesem einen Weg durch die Menschenmenge zum kürzlich errichteten Abadar-Tempel. Die Kutschen sind voller edler Verzierungen und jeweils mit einem goldenen Schlüssel, dem Symbol Abadars, gekennzeichnet. Sie kommen erst vor dem festlich geschmückten Gotteshaus zum Stehen, woraufhin gespannte Stille eintritt. Alle warten auf den Auftritt des weit im Vorfeld angekündigten Gastes, wobei die meisten Augenpaare doch auf das imposante Objekt gerichtet sind, welches noch verhüllt und somit vor neugierigen Blicken geschützt ist.

Die Flügeltür einer der Kutschen wird geöffnet und Vater Grigori tritt ins Freie. Er ist in einen makellosen, weißen Umhang gehüllt, worunter goldene Gewänder zum Vorschein kommen. Am markantesten ist jedoch die mattgoldene Maske, welche seine Gesichtszüge verbirgt. Er nimmt sich viel Zeit die Menge zu begutachten, welche erwartungsvoll zu ihm emporschaut. Doch Vater Grigori lässt einige Momente der Stille verstreichen, bevor er seine Worte mit ruhiger, aber auffallend monotoner Stimme an uns richtet: „Seid gegrüßt Bewohner Riviens.“ Die Pausen zwischen seinen Sätzen sind so lang, dass man zu zweifeln beginnt, ob seine Rede bereits beendet sei. „Ich bin erfreut an diesem beschaulichen Ort, welcher momentan in aller Munde ist, so herzlich als Gast empfangen zu werden und einige Zeit hier residieren zu dürfen. Ihr habt dem Gott der Städte, des Gesetzes und des Wohlstands mit diesem Tempel“, er deutet mit seiner, in einen goldenen Handschuh gehüllten Hand auf das Gotteshaus, „ein wahrlich großartiges Geschenk gemacht, was dieser zweifelsohne zu schätzen weiß. Auch ich will die Bemühungen, um die Zivilisation dieser rauen Lande, im Namen der Kirche Abadars würdigen und bei Kräften unterstützen. Möge dies, mein Geschenk an die Bürger Riviens und den Hohen Rat, dem Frieden Narlgaards zuträglich sein und möge es Angreifer jeglicher Art abschrecken.“ Als er mit diesem Satz geendet hat, entblößen einige Diener die riesige Konstruktion und zum Vorschein kommt eine Statue. Sie ist gänzlich aus Stein gearbeitet, ihre Proportionen ähneln denen eines Menschen, doch das nach unten gewandte Gesicht hat keine humanoiden Züge. Sie wird von einer ebenfalls steinernen roten Robe eingehüllt, Schultern und Rücken sind durch eine dicke Panzerung geschützt und sie ist auf ein mächtiges Schwert gestützt. Wie auch Vater Gregori hat die Statue eine erhabene und mächtige, zugleich aber auch etwas unheimliche Ausstrahlung.



Als nach wenigen Minuten des erstaunten Gemurmels wieder Ruhe eingetreten ist, tritt ein unscheinbar gekleideter, weißhaariger Mann neben den Hohepriester. „Alexander Kruskow“, stellt Grigori den Fremden vor, „einer der wenigen verbliebenen Wächterpiloten. Seine Zunft ist beinahe ausgestorben.“ Vater Grigori legt seine Hände auf dessen Schultern. „Abadar sei mit dir.“ Daraufhin schreitet Kruskow auf die Statue zu, steigt eine Leiter empor und öffnet mit einigen geschickten Handgriffen eine Schiebetür, welche den Zuschauern zuvor nicht aufgefallen war. Geschickt klettert der alte Mann ins Innere des Wächters, wie die Konstruktion von Grigori genannt wurde. Als sich die Tür wieder schließt, meine ich zu erkennen, dass Alexander eine große Pergamentrolle hervorholt. Umgehend versuche ich herauszufinden, welche Zauber er nun wirken wird. Es dauert nicht lange, da nehme ich eine Aura der Nekromantie wahr. Ich fokussiere mich gänzlich darauf mehr herauszufinden, sodass ich im ersten Moment nicht bemerke, dass sich die Statue zu bewegen beginnt. Erst langsam, dann immer zügiger richtet sich der Wächter auf und steigt von dem Wagen. Die davor gespannten Pferde bäumen sich voller Furcht auf, drohen Reißaus zu nehmen und müssen von den Kutschern beruhigt werden. Mit geschmeidigen Bewegungen erklimmt das steinerne Konstrukt die Treppe zum Tempel, stellt sich auf das große Podest, reckt das Schwert in stolzer Pose in den Himmel und kehrt dann in seine ursprüngliche Position zurück. Wenig später öffnet sich die Tür von neuem und der Wächterpilot Alexander Kruskow klettert hinaus. Zunächst ist es still, doch dann brandet stürmischer Beifall auf. Mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen verneigt sich Alexander vor der begeisterten Menge, schließt die Tür hinter sich und verschwindet im Tempel. In den Straßen Narlgaards ist in den folgenden Tagen und Wochen der Wächter und sein Pilot das beherrschende Thema. Bei einer Statue, welche allein aufgrund ihrer Größe aufsehenerregend ist, denn sie ist in etwa so hoch wie die Zyklopenstatue, welcher Karosh zum Opfer fiel, und sich zudem noch in ein lebendes Objekt verwandeln lässt, ist das auch nicht verwunderlich.



Vater Grigori bittet um einen Tag der Ruhe, nach der langen und beschwerlichen Reise. Somit empfangen wir ihn erst am folgenden Abend in der Hirschfeste. Layra begrüßt unseren Gast, welcher noch immer seine Maske trägt und dessen Körper durch den langen Umhang, die Kapuze und die Handschuhe fast vollständig verdeckt ist, und spricht ihm im Namen des Hohen Rates und der Bewohner Riviens unseren herzlichen Dank für das ausgefallene Geschenk aus. Durch meine Eindrücke während der Vorführung und die anschließenden Nachforschungen meine ich herausgefunden zu haben, wie es Alexander Kruskow gelingen konnte den Wächter zu steuern. Mit einem Zauber, welcher meine Macht derzeit übersteigt, hat er anscheinend Besitz von der Statue ergriffen. Während er dies tat, verließ seine Seele den eigenen Körper, wodurch dieser völlig hilflos war. Im Innern des Wächters geschützt, konnte ihm jedoch nichts zustoßen. Auf mein Nachfragen beim gemeinsamen Essen erfahren wir, dass bereits ein einmaliger Gebrauch der Wächterstatue mehrere tausend Goldmünzen verschlinge. Sie könne zur Verteidigung der Stadt eingesetzt werden, doch muss jeder Gebrauch wohl überlegt sein. Alexander Kruskow, welcher als alleiniger im Stande sei den Wächter zu bedienen, wird ab sofort in Narlgaard Stellung beziehen. Wir fragen, wie lange Grigori beabsichtige zu bleiben, doch er gibt nur einen unbestimmten Zeitraum an. „Überall in Brevoy spricht am von euch, den Bezwingern der Wildnis. Auch ich bin überzeugt davon, dass Rivien in der Zukunft eine Rolle spielen wird.“ Wir sind erstaunt. Zwar war uns bewusst, dass sich die von Jomani Surtowa initiierten Expeditionen in Brevoy herumgesprochen haben, doch sind wir bisher nicht davon ausgegangen, dass dies größere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Vielleicht will uns der Hohepriester auch nur schmeicheln. Vermutlich liegt es aber einfach an der selektiven Wahrnehmung. Die Anhänger des Abadar sind an solchen Vorhaben selbstverständlich interessiert und werden ihnen somit größere Beachtung schenken. Die Worte stärkten trotzdem unser Selbstvertrauen. Eventuell haben wir die Bedeutung dieses Vorhabens bisher tatsächlich unterschätzt.

Ava kann natürlich nicht umhin nachzufragen, was es mit der „merkwürdigen“ Maske auf sich habe. Doch auch auf diese unverfrorene Nachfrage antwortet der Hohepriester ruhig und monoton. Er erklärt, dass ein Richter wie er es sei, so wenig von sich preisgeben solle wie möglich. Die Maske ist ein Schutz, um Gefühle und Reaktionen zu verbergen und ermögliche somit eine gewissenhafte Ausübung des Amtes. Leider vermag Grigori uns nicht zu sagen, wann er den Richtspruch im Fall des Denunzianten fällen wird. Überraschenderweise fragt er nach Gesetzestexten, auf dessen Basis er ein Urteil fällen könne. Wir haben jedoch bisher keine umfangreiche Aufstellung von Gesetzen für Rivien aufgestellt. Es existieren lediglich knappe Regelkataloge und Verhaltensanweisungen für spezielle Anlässe wie Volksfeste oder Entscheidungen des Hohen Rates. Doch Vater Grigori reagiert nicht enttäuscht und verärgert über diese Auskunft, vermutlich hat er dies bereits erwartet. Ein junges Reich hat andere Sorgen, als zu Beginn dicke Bücher mit Gesetzen für alle erdenklichen Situationen zu füllen. Vater Grigori kündigt an, sich vor der Verkündung seines Urteils etwa zwei Wochen Zeit nehmen zu wollen. Die weiteren Gespräche mit dem Hohepriester nehmen jedoch nie an Fahrt auf, bleiben stets kühl und reserviert. Wir erfahren, dass er Methoden der Mitbestimmung des Volkes, wie wir sie in den vergangenen Wochen durchgeführt haben, nicht sonderlich schätzt. Ein erfolgreicher Regent brauche seiner Auffassung nach eine harte, aber gerechte Hand. Als Grigori sich verabschiedet und von einigen Dienern begleitet in den Tempel zurückkehrt, habe ich fast schon Mitleid mit unserem Gefangenen. Bisher hatte ich ein mildes Urteil durch eine vermittelnde Person erwartet, doch dieser Herr macht einen ganz anderen Eindruck. Sonderlich sympathisch ist er keinem von uns. Lediglich Magni unterstützt ihn in einigen seiner Ansichten.

4. Vorboten des Krieges?
In der kommenden Woche erreicht uns eine beunruhigende Nachricht. Eskel, der Landvogt, hat von seinen Augen und Ohren, welche im Reich und an seinen Grenzen patrouillieren erfahren, dass ein Verband von Trollen aufgetaucht sei. In ihrer Anwesenheit seien auch einige Orks. Angeblich würden sie von einem in Ketten gelegten Riesen begleitet und hätten schwere Belagerungsgeräte dabei. Insbesondere letzteres lässt uns aufhorchen. Umgehend müssen wir diese Prozession ausfindig machen, um herauszufinden, ob diese zum Ziel hat Narlgaard anzugreifen. Jedoch kommt diese Nachricht zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Einige der Mitglieder des Rates sind nicht in der Stadt zugegen. Layra ist aufgrund einiger diplomatischer Angelegenheiten in Restov, Kesten wirbt Soldaten im Norden Riviens an und Eskel ist mit der Ausbildung von Rekruten beschäftigt. Um die Gefahr abschätzen zu können, reiten Magni, Ava und ich nach Südosten. Da Ava in Gestalt eines Adlers problemlos die Hügellandschaft überblicken kann und innerhalb kürzester Zeit weite Strecken zurücklegt, spüren wir die Karawane schnell auf. Sie kamen anscheinend aus der Narlmark und reisen entlang des Kleinen Sellen, entfernen sich somit von Narlgaard. Ava kann etwa zwei Dutzend Trolle und viele Orks erspähen, welche tatsächlich einen Riesen gefangen halten. Ob dies jener Riese ist, von welchem Akiros uns vor langer Zeit berichtete? Des Weiteren ziehen sie zwei große Katapulte durch die hügeligen Ebenen, wodurch die gesamte Truppe etwas aufgehalten wird. Einer der Trolle überragt seine Artgenossen deutlich und kann es fast mit der Größe des Riesen aufnehmen. Aggressiv brüllt er den Orks Befehle entgegen, welche ängstlich vor ihm zurückweichen. Vermutlich handelt es sich bei diesem furchteinflößenden Exemplar um Hragulka, dem Trollkönig. Wir können von Glück reden, dass nicht auf direktem Weg zu unserer Siedlung sind. Doch über ihre Pläne kann die Halblingsdame nichts in Erfahrung bringen, da sie der Sprache der Trolle nicht mächtig ist.

Während Ava Hrakulka und seine Allianz der Wilden ausspioniert, halten Magni und ich uns in einiger Entfernung versteckt und warten auf einen Bericht der Kundschafterin. Den Blick in den Himmel gerichtet, vernehmen wir plötzlich Stimmen in der Nähe. „Orks?“, frag Magi und ich bestätige seine Vermutung mit einem Nicken. Gerade noch rechtzeitig schützen wir uns durch Unsichtbarkeitszauber, bevor diese hinter der nächsten Böschung auftauchen. Zwar können sie uns nun nicht sehen, aber einer unter ihnen scheint uns bemerkt zu haben. „Riecht ihr das? Das ist ein Zwerg. Ein Zwerg … und ein Elf. Wo sind sie? Sucht sie!“ Ich taste nach Magni und finde schnell seinen Arm, um einen Hast-Zauber auf uns zu wirken. Bei den Orks, welche in der Überzahl sind, scheint es sich um einen Spähtrupp zu handeln, denn sie sind nur leicht gerüstet und führen kein Gepäck mit sich. Magni zögert einen Moment, dann stürmt er auf den Anführer los. Der Hammer des Zwergs trifft diesen völlig unvorbereitet und zerschmettert die Schulter seines Schwertarms. In der Folge kann Magni seinem Hieb mühelos ausweichen und streckt ihn mit einem weiteren Schlag auf den Schädel nieder. Nun ist Magni jedoch umringt von fünf Gegnern und wird von allen Seiten attackiert. Er kann von Glück reden, dass ihre Waffen seiner Rüstung nur wenig anhaben können. Einer der Angreifer schreit vor Schreck auf, als sich unter ihm eine neun Meter tiefe Grube bildet und er wild mit den Armen fuchtelnd abstürzt. Ein zweiter Angreifer wird schnell von Magni ausgeschaltet und einen weiteren lasse ich auf glitschigem Untergrund den Halt verlieren, wodurch dieser ebenfalls in die Tiefe fällt. Wie aus dem Nichts schlägt ein Blitz in den Ork zu Magnis Linken ein, was auch den Zwerg zusammenzucken lässt. Wir erblicken erstaunt einen Adler über uns kreisen. Ava muss sich in der Nähe aufgehalten und den Angriff der Orks bemerkt haben. Angsterfüllt versuchen die beiden letzten Angreifer zu fliehen, doch Magni zerschmettert einem das Knie und Ava lässt auf den Letzten weitere Blitze niederfahren, wodurch der Kampf schnell entschieden ist.

Der Adler schwebt zu uns herab und nimmt im Moment der Landung die Gestalt der Halblingsdame an. „Trolle, jede Menge Trolle. Darunter auch Hragulka. Und noch einige von diesen liebeswürdigen Exemplaren“, und sie deutet auf die toten Orks zu Magnis Füßen. Wir müssen einsehen, dass wir drei es nicht alleine mit den Wilden aufnehmen können. Da uns anscheinend noch Zeit bleibt, entscheiden wir nach Narlgaard zurückzukehren und weitere Schritte mit dem Hohen Rat zu beraten.

Einundzwanzigste Sitzung am Sonntag, den 17. September in Frankfurt.
Mit Tobi, Lena, Lucas und mir.

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